Verletzung, Sorgen & Ängste – wie gehe ich richtig damit um?

Hallo ihr lieben,

der heutige Blogbeitrag ist mal wieder etwas persönlicher und soll euch einen Einblick geben, was in meinem Kopf vorgeht, was mich derzeit bewegt und soll von Themen handeln, die in unserer „alles-ist-schön“-Welt viel zu selten angesprochen werden:

„Wie der Fitnesslifestyle zur Sucht werden kann, was eine Verletzung für psychische Auswirkungen hat und Tipps, wie man nicht in ein Loch fällt“ – darum dreht es sich heute in diesem Beitrag.

Seit drei Wochen ist meine Woche nicht wie gewohnt vollgestopft mit Training. Seit nun drei Wochen dominiert etwas, was mir persönlich sehr schwer fällt, meinen Alltag: Extremes Nichtstun – zumindest wenn es ums Training geht. Vor gut drei Wochen habe ich mir vermutlich beim Training eine Sehnenscheidenentzündung in beiden Unterarmen zugezogen. Das ist nicht nur sehr schmerzhaft (Ja, ich bin ein echter Mann der auch mal zugibt wenn was zwickt 😉 ), sondern erfordert auch viel Ruhe um die Verletzung richtig auszukurieren. Eine Woche nachdem ich Schmerzen im Unterarm hatte und mich etwas geschont hatte, dachte ich: „Ach, leichtes Training wird schon gehen.“ Aus dem leichten Training wurde dann doch wieder ein etwas „härteres“ Training und direkt bekam ich die Quittung dafür. Die Schmerzen wurden stärker und dauerhaft. Ich musste auf diese Weise lernen, wie wichtig es ist Pausen einzulegen und sich zu schonen. Aus diesem Grund meine Bitte an euch:

„Wenn ihr verletzt seid, ihr euch unwohl fühlt oder irgendetwas sich komisch anfühlt – nehmt euch eine Auszeit und erzwingt nichts!“

Jetzt habe ich von meinem Arzt die Diagnose bekommen, dass ich weitere vier Wochen alles, was die Arme beim Training mit beansprucht, nicht belasten darf. Keine Brust, kein Rücken, keine Arme, kein hartes Beintraining. Das war für mich im ersten Augenblick eine Nachricht, die schwer zu akzeptieren war. Insgesamt weitere vier Wochen kein anstrengendes Training? Was passiert mit den ganzen Muskeln die ich mühsam ausgebaut habe? Werde ich jetzt maßlos zunehmen, weil ich kaum Sport machen kann?

Der Tag an dem die Diagnose kam, war für mich gelaufen. Ich wollte nichts hören, nichts und niemanden sehen und war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich alles um mich rum ausblendete. Es musste doch einen Ausweg geben. Würde ich wirklich alles verlieren wofür ich so viele Stunden im Fitness-Studio und in der Küche geopfert habe?  – Nein, natürlich nicht! Über Nacht werde ich nicht all das verlieren, was ich mir über Jahre aufgebaut habe. Das ist Fakt. Innerhalb von zwei Wochen kann man nicht 10kg gesund abnehmen, also kann man auch nicht 10kg Muskeln verlieren in dieser Zeit. Erst nach längeren Pausen von 3-4 Wochen ohne gezielte Belastung fängt der Körper an, nichtbeanspruchte Muskeln abzubauen. Ich befinde mich nun jetzt in der Phase, in der mein Körper anfängt, langsam aber sicher die nicht benötigte Muskelmasse abzubauen. Das zu akzeptieren und zuzulassen ist für mich sehr schwer. Die Angst vor extremen Muskelverlust, ist wie die Sorge, dass man von einem Cheatmeal dick wird, psychisch bedingt. Daher ist es wichtig, sich das bewusst zu machen und seine Psyche zu stärken.

Meine 3 Toptipps wie ich mit meiner Verletzung & Sportpause umgehe und meine Psyche stärke:

1. Der Mensch und nicht der Körper

Wir wohnen in unseren Körpern. Unsere Körper definieren unser Aussehen, aber sie sind nicht das was uns zu 100% ausmacht: Unsere Art, unser Wesen, unser Charakter, unser Geist – all das sind nicht physische Eigenschaften. Klar leben wir in einer oberflächlichen Welt, aber die Menschen die uns am nächsten stehen und uns am meisten bedeuten: Haben die uns aufgrund unseres Aussehens in ihr Herz geschlossen? – Bestimmt nicht. Sondern weil jeder Mensch einen einzigartigen Charakter und auf seine Weise liebenswert, toll und schön ist!

„Ich bin nicht nur mein Körper – zu mir gehört viel mehr, was viel wichtiger & liebenswert ist :)“

Jack & Jones Hemd

 

2. Positive Thinking

Früher habe ich das ja gar nicht hören können: „Immer positiv denken, dann wird das schon.“ – Ja von wegen, stimmt doch gar nicht. Und doch, da ist was wahres dran! Wieviel Zeit könnte ich jetzt damit vergeuden, grießgrämig mir irgendwelche Youtubevideos vom Training anzuschauen und im Selbstmitleid zu versinken? Klar ist es nicht super aufheiternd wenn mein Mitbewohner mir sagt, er geht jetzt ins Training – da würde ich am liebsten sofort mit. Egal in welcher Situation ihr euch befindet, versucht das positive zu sehen. Ich kann jetzt nicht trainieren, dafür habe ich sicher 1,5h mehr Zeit am Tag. Zeit, die ich für Dinge nutzen kann, die ich sonst nicht machen würde. Ich gehe tagsüber mal spazieren, lausche der Natur, genieße die frische Luft, gehe öfters Kaffee trinken, habe wieder angefangen Abends zu lesen und genieße das voll und ganz 🙂 Dadurch kann ich euch jetzt auch ein schönes Zitat aus „The greatest Salesman in the world“ zum Thema Positives Denken rezitieren:

„If I feel depressed I will sing. If I feel sad I will laugh.“

Positive Thinking

 

3. Zu sich finden und auf seinen Körper hören

In meinem Fall hätte ich das viel früher tun sollen –  fleißig Dehnübungen machen, öfters Pausen einlegen und auf meinen Körper hören. Vorsorge ist besser als Nachsicht! Jetzt musste ich das auf schmerzhafte Weise feststellen. Schaut auf euch und euren Körper, fordert nicht zu viel von euch und findet eure Mitte. Ich neige dazu, Sachen extrem zu machen – immer super auf die Ernährung zu achten, der Beste im Job zu sein, immer erreichbar für alle. Da ich merke, dass ich nicht immer alles schaffe und manchmal meine Akkus leer sind, versuche ich bewusster meinen Tag zu gestalten und Achtsamkeit zu üben. Seit sechs Wochen gehe ich auch wöchentlich ins Autogene Training (Entspannungstechnik) um meine Akkus aufzuladen und abschalten zu lernen. Das tut mir richtig gut 🙂

Körper hören

 

Für mich liegen jetzt noch vier Wochen vor mir, in denen ich Achtsamkeit und Zurückhaltung beim Sport üben muss. Aber wenn man sich die drei Sachen bewusst macht, dann geht auch das. Ich akzeptiere, dass ich zur Fibo 2016 nicht in Bestform sein werde, dass ich ein paar Kilo Muskelmasse verlieren werde, dass ich nicht immer perfekt sein kann und nicht immer alles nach Plan läuft. Auch das gehört zum Leben – wichtig ist, was wir daraus machen und dass wir uns nicht davon runterziehen lassen! Daher werde ich jetzt rausgehen und mit einem Lächeln im Gesicht das schöne Wetter genießen 🙂

Wenn euch der Blogpost gefallen hat, ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt oder Feedback habt – postet es gerne hier in die Kommentare 🙂

Euer Pascal

PS: Danke an Nina Herzog für die tollen Fotos und an das Jack & Jones Team aus Waldshut für die tolle Beratung bei den Outfits!

11 thoughts on “Verletzung, Sorgen & Ängste – wie gehe ich richtig damit um?

  1. Hallo Pascal,
    Ich finde das ist ein sehr guter Beitrag..ich kann diese irrationalen Ängste sehr gut nachvollziehen, da ich in der Zeit meiner Magersucht auch einen bewegungszwang hatte und quasi versucht habe 24/7 Situps, Liegestütze etc. zu machen. Ich durfte nicht schlafen bevor ich nicht 2 Stunden herumgehüpft war und in meinem Kopf und Körper fühlte ich Qualen wenn ich gezwungen war z.B. auf langen Autofahrten oder bei Filmen zu sitzen. In der Klinik dann war es noch schlimmer für mich, da ich gegen meinen Willen ernährt wurde und Angst hatte alles zu verlieren..mein Sixpack…fett zu werden. Mit der Zeit und nun nach 3 Jahren habe ich gelernt entspannter zu sein und nutze ähnliche Taktiken wie du wenn mir mal wieder auffällt, dass ich mich psychisch unter Druck setze. Ich verbringe schöne Stunden mit meinem Freund und sehe einfach die anders gepolten „Nutzen“ im Erfahrungen machen, in der Natur sein, Wissen aneignen oder lieben. Und niemand liebt einen weniger wenn man 10 Kilo mehr wiegt…wie du schon sagst als Mensch ist man ein großartiges Gesamtpaket und man darf nicht vergessen, dass man für viel mehr geliebt wird als seinen Körper und dass Gesundheit nicht zu kaufen ist. der Körper verzeiht vieles aber man sollte ihm genügend Entspannung gönnen.

  2. Hallo Pascal,

    Super Beitrag und ich kann es super nachvollziehen. Könnte knapp 3 Wochen nur bedingt trainieren, weil ich meine Erkältung nie richtig auskuriert habe. Und letzte Woche hab ich die Quittung dafür bekommen. Mich hat es nochmal so richtig zamgehauen. 40 Grad Fieber, Schüttelfrost, Herzstechen, etc. so ne richtig schöne Grippe!
    Jetzt kann ich erstmal garkeiner Sport mehr machen. Dieses Mal hab sogar ich kapiert das ich Geduld haben muss und abwarten muss bis ich wieder zu 100% fit bin!

    Jede Minute sind Gedanken in meinem Kopf wie: „oh Gott ich hab bestimmt schon meine hart erarbeiteten Muskeln verloren“, „NEEEEEIN ich hab bestimmt schon zugenommen“ usw.
    Nicht trainieren zu können, schlägt extrem auf meine Laune
    Aber du hast vollkommen recht, ich hab plötzlich wieder Zeit Dinge zu machen, die ich immer verschoben hab, weil keine Zeit mehr war! Ich Versuch jetzt die „freie“ Zeit so gut wie möglich zu genießen!

    Ich hoffe es geht dir bald wieder besser!

    LG Juli

  3. Hey Juli, dir weiterhin eine gute Besserung und mach dich auch nicht verrückt! Die freie Zeit einfach soweit es geht genießen & effektiv nutzen 🙂

    1. Hallo Pascal,
      Ich finde es wirklich super,dass du jetzt mehr auf deinem Körper achtest! Schließlich möchte er Aufmerksamkeit und möchte einem was damit sagen wenn was zuviel wird! Dieses äußert sich in irgendwelchen Symptomen.
      Ich selber mache seit einiger Zeit Kraftraining und merke dass es auch zu einer Sucht werden kann!
      Durch meine Ausbildung in systemischer Paar und Familientherapie wo man sehr viel
      Kontakt zu seinem Körper aufnimmt und ins Spüren kommt ist mir Einiges bewusst geworden!
      Auch ich mache einmal pro Woche Progressive Muskelentspannung was mir sehr gut tut!
      Wie gesagt der Körper kann nicht immer auf Hochtouren laufen!!!
      Gruß Dani

  4. Ja, Krafttraining kann definitiv zu einer Sucht werden! Manchmal ist es wirklich mitunter der undankbarste Sport. Trotzdem ist es eine Leidenschaft, seinen Körper zu formen und wenn möglich alles zu geben. Dass man nicht immer mit 110% arbeiten kann, ist klar und mir jetzt auch wieder deutlich bewusst geworden. Lektion gelernt 🙂

  5. Schön dass du uns daran teilhaben lasst… Ich wünsch dir eine schnelle Genesung – mit frisch geladenem Akku trainiert es sich besser vl kannst du dir einen Vorteil aus deiner Zwangspause schaffen 🙂

  6. Hey Pascal

    Sehr guter Artikel! Zeigt einmal mehr, dass man die Körpersignale nicht ignorieren sollte. Und noch was – warte nur, bis du mal 30 gewesen bist, dann wird’s nochmals anders. Ich bin jetzt 39 und merke immer mehr, wie sich alte Verletzungen wieder bemerkbar machen. Deshalb, chill pill schlucken und die Sonne geniessen

  7. Hallo Pascal,

    erstmal gute Besserung für dich. Das magst jetzt vielleicht nicht lesen, aber 4 Wochen vom Rest deines sicher sehr langen Lebens, sind im Grunde nicht viel. Es ist etwas gutes auf seinen Körper zu hören, vor allem wenn man noch so jung ist wie du.
    Ich hab das leider nicht getan und nun habe ich kaputte Knie, darf Seniorensport betreiben. Das nach jahrelang täglich 3-4 h Sport.
    Hätte ich mehr auf meinen Körper gehört und auch mal etwas richtig auskuriert, wäre es vielleicht anders.
    Yoga kann ich noch uneingeschränkt empfehlen.
    Kann nachvollziehen wie es dir geht, manchmal denke ich wehmütig daran wie toll sich ein durchtrainierter Körper anfühlt. Oder das Gefühl noch etwas über seine Grenzen gegangen zu sein und noch mehr aus sich heraus zu holen. Das hat definitiv suchtpotenzial.
    Du schaffst das und schreib weiter wie es dir geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*